Karl Kraus, Erwin Steinhauer, Georg Graf, Pamelia Stickney, Joe Pinkl, Peter Rosmanith


Die letzten Tage der Menschheit

Klangbuch mit 2 CDs

Karl Kraus' heute berühmtestes Werk »Die letzten Tage der Menschheit« entstand als unmittelbare Reaktion auf den Ersten Weltkrieg.
Kraus schreibt im Vorwort: »... es ist Blut von ihrem Blute und der Inhalt ist von dem Inhalt der unwirklichen, undenkbaren, keinem wachen Sinn erreichbaren, keiner Erinnerung zugänglichen und nur in blutigem Traum verwahrten Jahre, da Operettenfiguren die Tragödie der Menschheit spielten. Die Handlung, in hundert Szenen und Höllen führend, ist unmöglich, zerklüftet, heldenlos wie jene. Der Humor ist nur der Selbstvorwurf eines, der nicht wahnsinnig wurde bei dem Gedanken, mit heilem Hirn die Zeugenschaft dieser Zeitdinge bestanden zu haben. ... Die Mitwelt, die geduldet hat, daß diese Dinge geschehen, die hier aufgeschrieben sind, stelle das Recht, zu lachen, hinter die Pflicht, zu weinen. Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen; ich habe gemalt, was sie nur taten. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind wörtlich gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate.
Sätze, deren Wahnwitz unverlierbar dem Ohr eingeschrieben ist, wachsen zur Lebensmusik. ... Phrasen stehen auf zwei Beinen - Menschen behielten nur eines.«

Erwin Steinhauer, einer der profiliertesten Schauspieler im deutschsprachigen Raum, gelingt in dieser Produktion, den messerscharfen Formulierungen des Autors präzise nachzuspüren. Das akustische und emotionale Fundament bildet die Musik: Collageartig montierte Versatzstücke aus Militär- oder Salonmusik, Operette und Heurigenlied, sowie abstrakte filmisch gedachte Klangflächen lassen eine grausam komische, verstörende Weltuntergangsoperette erklingen.

Eine Produktion von Ö1 in Zusammenarbeit mit dem mandelbaum verlag


PRESSESTIMMEN:

Die HörerInnen von Ö1 haben das Klangbuch "die Letzten Tage der Menschheit" zum "Hörspiel des Jahres 2014" gewählt.


Am 26.09.2014 erscheint in der Badischen Zeitung eine grandiose Rezension von Wilhelm Hindemith.

In der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 01.09.2014 schreibt Helmut Mayer: " Nun ist eine neue, sehr schmal gehaltene Auswahl erschienen, die einen exzellenten Sprecher hören lässt - den mit allen Abgründen der Tonfälle und Sprachmasken gut vertrauten österreichischen Schauspieler Erwin Steinhauer -, aber auch mit einem kleinen, ungewöhnlich besetzten Orchester operiert. Dieses Orchester wird verschieden eingesetzt: eher selten frei untermalend, manchmal den Krausschen Vorgaben an Singbarkeit des Textes folgend, oft in eigenständigen Zwischenstücken. Diese reizvoll filigranen Stücke, in denen Motive gerne übersteigert und zum Zerfall getrieben werden, treten
hier als eigene Instanz der Verarbeitung von Zitaten neben einen Text, .... "

Joachim Riedl in DIE ZEIT vom 07.08.2014:
»Dass ein puristischer Zugang zu den Letzten Tagen der Menschheit keineswegs in einem kärglichen Theaterabend münden muss, bewies (...) der herausragende Menschendarsteller Erwin Steinhauer im Theater in der Josefstadt: Er trat mit der szenischen Lesung einer Auswahl aus dem Drama auf, die er bereits zuvor im Studio aufgenommen hatte. (...) thronte er gebieterisch im schwarzen Gehrock hinter einem Stehpult und schickte seine Stimme auf die Reise zu den Larven und Lemuren, zu dem gesamten Personal des Weltuntergangs. Mit seiner physischen Präsenz dominierte er die Bühne, sparsame Gestik, doch da war mehr los als in den Massenszenen der anderen Produktionen. Steinhauer traf erstaunlich präzise jeden Ton, seine Stimme klang bedrohlich, wo es die Strenge des Textes verlangt, war grob, vertrottelt, ignorant, brüskiert, blutleer, aufgeregt gackernd oder senil. Konzentriert manövrierte er durch das Gewirr der Stimmen und Formen. Ein rares Bühnenereignis. "Tonfälle rasen und rasseln durch die Zeit und schwellen zum Choral der unheiligen Handlung", heißt es in der Vorrede. Ein Einzelner kann alle diese Geräusche aus dem Marstheater auf der Zunge haben.«

"Es gibt viele Arten, sich selbst zu schaden - indem man zum Beispiel Die letzten Tage der Menschheit nicht kennt." Franz Schuh in der Tageszeitung "Der Standard" im Gespräch mit Doris Prieschnig, am 4.Juni 2014.
Doris Prieschnig weiter:
"Mit Saxofon, Tuba, Cello und Melodica verbreiten sie schräg-schunkelige Untergangsfröhlichkeit. Diese Neuaufnahme ist ein sperriger, umso lohnenderer Ausflug in die österreichische Literatur. Es gibt einiges (wieder) zu entdecken, was heute bekannt vorkommen könnte. Schuh: "Kraus hat viel verstanden von der Ruinierung des menschlichen Geistes."

"Im Theater geht es um Geistesgegenwart" - Erwin Steinhauer im Interview mit Norbert Mayer, in der Tageszeitung Die Presse vom 8. Juni 2014.

Barbara Mader empfiehlt im Kurier vom 21.06.2014.

Heidemarie Klabacher rezensiert am 24.06.2014 in Drehpunkt Kultur Salzburg : "... Die Musik changiert zwischen Franui' und Schönberg'schen Volkslied- und Walzerbearbeitungen. Eine reizvolle immer wieder beängstigende Collage.

»Letzte Tage« in Schräglage betitelt Christiane Zintzen ihre brillante Rezension in der NZZ vom 04.07.2014.


 

Von Karl Kraus sind im Mandelbaum Verlag auch lieferbar:

Die Großherzogin von Gerolstein

 

Von Erwin Steinhauer sind im Mandelbaum Verlag auch lieferbar:

Dracula, Dracula

Flieger, grüß mir die Sonne

Ich bin ein Durchschnitts-Wiener

 

Von Georg Graf sind im Mandelbaum Verlag auch lieferbar:

Dracula, Dracula

Flieger, grüß mir die Sonne

 

Von Joe Pinkl sind im Mandelbaum Verlag auch lieferbar:

Flieger, grüß mir die Sonne

 

Von Peter Rosmanith sind im Mandelbaum Verlag auch lieferbar:

Reise nach Groß-Garabannien

Dracula, Dracula

Flieger, grüß mir die Sonne

Das Wechselbälgchen

Die größere Hoffnung

24.90 €
32 Seiten
Format: 13x18
Gebunden
ISBN: 978385476-437-3
Erschienen: Mai 2014
lieferbar